Adelsgeschlechter

 

von Bodenheim (12.-14. Jh.)

Mit Frau Seburg von Bodenheim wird eine Familie dieses Namens erstmals 1136 urkundlich erwähnt. Seburg war wahrscheinlich die Frau von Theodor und die Mutter der Brüder Gerlach und Gottschalk von Bodenheim.

In den Berichten über die Schlacht von Worringen (1288) und den Wappentafeln ist kein Ritter von Bodenheim aufgeführt. Erst in der 1350 erstellten Abschrift eines Lehensverzeichnisses des Herzogs von Brabant aus dem Jahre 1312 ist ein „Adolphus de Bodenem“ als Lehensinhaber des „castrum Bodenem“ aufgeführt. Mit Johann von Bodenheim, der erstmals 1359 urkundlich erwähnt wird, stirbt 1377 der letzte männliche Vertreter dieser Familie. Die Burg fällt an den Ehemann der Tochter Sofia, Johann von Vischenich.

Brent von Vernich (14./15. Jh.)

Da auch Sofia von Bodenheim und Johann von Vischenich keine männlichen Nachkommen hinterlassen, fällt die Burg durch Heirat der Tochter Lysa um 1400 an Giselbrecht Brent von Vernich. Dieser entstammt einem niederen Adelsgeschlecht, dass vor allem als Söldner und Raubritter tätig war und dadurch Macht und Reichtum erlangt hatte. Giselbrechts Bruder Goswin (I.) war Herr der Burg Groß-Vernich, die wahrscheinlich von seinem Großvater Johannes Brent erbaut worden war. Außerdem besaß die Familie zeitweise Burg Kühlseggen, Haus Eicks, Burg Juntersdorf und die Lauvenburg.

Auch als Herren von Bodenheim erweisen sich die Ritter der Familie als äußerst streitlustig und fehdefreudig. Da Giselbrechts und Lysas Sohn Johann der Ältere trotz zweier Ehen keine männlichen Nachkommen hinterläßt, ist mit dem Tod seiner Witwe, Katharina von Nattenheim, die Brentsche Epoche in der Geschichte der Burg allerdings nach nur zwei Generationen um 1480 schon wieder beendet. Katharina hatte die Burg als Altenteil besessen, die aber schon seit ca. 1450 von der Familie von Tomberg genannt Worms, die mit den Brents von Vernich durch Heirat verbunden war, bewohnt wurde.

von Tomberg genannt Worms (15.-17.Jh.)

Es gab im Mittelalter mehrere Geschlechter, die sich nach der Tomburg bei Rheinbach nannten. Die jüngere Linie mit dem Zusatz „genannt Worms“ erscheint erstmals 1446 im Herrschaftsbereich von Lommersum, als Konrad von Tomberg in einer Urkunde als Schwiegersohn der Eheleute Johann Roilmann von Husen gen. Dedekum (=Derkum) und Mechtild Brent von Vernich genannt wird. Konrad war mit deren Tochter Coene (Kunigunde) verheiratet. Ein 1450 und 1455 urkundlich erwähnter Junker Friedrich von Tomberg gen. Worms war wahrscheinlich sein Bruder, evtl. auch sein Vater. Beiden war Burg Bodenheim wohl schon um 1450 von Johann d.Ä. Brent von Vernich auf Rentenbasis überlassen worden.

Kurz nach dem Tod seiner Frau Coene um 1480 hat Konrad von Tomberg offenbar Agnes von Meckenheim geheiratet. Burg Bodenheim scheint dann an seinen Sohn Johann übergegangen zu sein und hat wohl – wie Lommersum – Schaden in einer Fehde zwischen dem Grafen von Nassau-Dillenburg (dem Pfandherrn von Kerpen und damit auch Lommersum) und dem Grafen von Geldern erlitten.

Erst um 1520 tritt mit Goswin wieder ein Tomberg als Lehensinhaber von Bodenheim urkundlich in Erscheinung. Ein Wappenstein an der Nordseite des Mitteltraktes der Burg, der sein Wappen sowie das seiner Frau Maria Schall von Bell und Schlenderhahn zu Friesheim zeigt, lässt auf von ihm veranlasste Baumaßnahmen schließen. Aus seiner Ehe mit Maria gehen insgesamt sechs Kinder hervor, und die Burg geht an den Sohn Dietrich und dessen Frau Klara Münch von Buseck.

Mit Dietrich (I.) und seinem Bruder Johann beginnt der Aufstieg des Geschlechts, das zahlreiche kirchliche und weltliche Ämter innehatte. Dietrich hat auch die Burg wieder aufgebaut, nachdem sie „während des Krieges [den spanisch-niederländischen Auseinandersetzungen im Rahmen der Reformation] mit allen besiegelten Urkunden und allem Hausrat mehrfach geplündert worden und abgebrannt“ war. Die in Eisenankern am Osttrakt der Burg angebrachte Jahreszahl 1589 und der Schlussstein über dem Burgtor belegen das Jahr des Wiederaufbaus.

Dietrich und seine Frau Klara hatten insgesamt sieben Kinder. Burg Bodenheim geht an ihren ältesten Sohn Konrad, der sie im Jahre 1600 als Lehen erhält. Fünf Jahre später kommt es zu einem Rechtstreit zwischen Dietrichs Söhnen und der mächtigen Familie Quadt von Landscron: beim Koadjutor und Administrator des Kölner Erzstiftes hatte diese eine ehrenrührige und verletzende Schrift gegen das Geschlecht und den Namen derer von Tomberg gen. Worms verlesen lassen und Klage auf Aberkennung ihres Namens und Wappens erhoben. Die Quadt (die seit 1441 Anteil an der Herrschaft Tomburg hatten und seit 1564 in Flamersheim ansässig waren) behaupteten, nur ihnen gebühre das Recht, das Tomberger Wappen zu führen. Die Klage richtete sich vor allem gegen Georg, „als sei er offensichtlich verlogen, ein ehrenrühriger Fälscher und falscher Ankläger, der kaiserliche Urkunden mit Füßen getreten“ habe. Am 31. März 1605 lassen die Brüder in Bonn vor einem kaiserlichen Notar eine gemeinsame Erklärung beurkunden, dass ihre Familie das Wappen und den Namen der von Tomberg etwa 200 Jahre lang unangefochten geführt habe, und legen zum Beweis verschiedene Urkunden vor. Eine Aussage über die Herkunft ihres Geschlechtes machen die Brüder dabei nicht , was aber juristisch auch nicht erforderlich war. Über den Ausgang des Verfahrens ist bislang nichts bekannt; die Familie hat jedenfalls Namen und Wappen unverändert weitergeführt. 1607 verpachtet Konrad die Burg an seinen Bruder Georg, der 1619 auch formell mit ihr belehnt wird. Er baut die Burg weiter aus und um und verleiht ihr ihre heutige Gestalt. Mangels männlicher Nachkommen fällt die Burg über Georgs älteste Tochter, Anna Klara, 1629 an deren Ehemann Daniel von Hersel.

von Hersel (17./18.Jh.)

Daniel von Hersel, der nach dem Tod seiner ersten Frau Elisabeth von Bredow 1625 Anna Klara von Tomberg geheiratet hatte, war kurkölnischer Kämmerer und damit „Finanzminister“ des Kölner Fürstbischofs. Dank dieser hoher Stellung und der damit verbundenen Beziehungen gelingt es ihm, Burg Bodenheim ohne großen Schaden durch den Dreißigjährigen Krieg zu bringen – allerdings nur unter großen finanziellen Opfern.

Die Familie Hersel behält Burg Bodenheim fast 200 Jahre in Ihrem Besitz und stellt immer wieder hohe kurkölnische Beamte und Militärs. Die Freiherren von Hersel zu Bodenheim sind jedoch die einzigen Adligen, die trotz ihrer hohen Ämter im „Ausland“ über längere Zeit wirklich in der brabantischen Herrschaft Lommersum ansässig sind. Bis vor kurzem befand sich in der dortigen Pfarrkirche ihre Familiengruft.

Daniels Sohn Georg Franz Wilhelm und seine Ehefrau Maria Katharina von Bocholtz können Burg Bodenheim offenbar vor Zerstörungen im franz.-span. Krieg bewahren und lassen Ende des 17. Jahrhunderts ihr Allianzwappen am Burgtor anbringen; ob damit dessen Wiederherstellung oder lediglich ihre Übernahme der Burg dokumentiert werden soll, ist umstritten.

Auch im spanischen Erbfolgekrieg hat Bodenheim unter Einquartierungen, Überfällen und Kriegslasten zu leiden, bleibt aber unzerstört. Die Familie von Hersel weigert sich als größter Grundbesitzer der Herrschaft Lommersum allerdings beharrlich, die damit verbundenen Kriegsumlagen zu entrichten, wodurch es zu mehreren gerichtlichen Auseinandersetzungen mit der Gemeindevertretung von Lommersum kommt, die erst 1727 in einem Vergleich beigelegt werden können.

Maria Katharina von Hersel läßt 1717 zur Erinnerung an ihren verstorbenen Mann ein Steinkreuz mit seinem Wappen in der Ortsmitte von Bodenheim errichten, das heute noch dort steht. Über ihren Sohn Konrad Gumbert Ägidius Franz kommt Burg Bodenheim 1755 an dessen Sohn Clemens August, offenbar ein Patenkind des gleichnamigen Kurfürsten. Nach dessen Tod erben seine beiden Töchter die Burg: Frederike Hubertine, verheiratet mit Karl Eugen Graf von Hatzfeld-Wildenburg, und Maria Anna. Letztere bleibt unverheiratet, überlebt ihr Schwester und besitzt als letzte der Familie von Hersel die Burg zusammen mit ihrem Neffen, Edmund Graf von Hatzfeld-Weisweiler.

von Hatzfeld-Wildenburg (18./19.Jh.)

Mit Folpertus de Hepisvelt und seinem namentlich nicht genannten Bruder betreten im 12. Jahrhundert die ersten Adligen von Hatzfeld die Bühne der Geschichte. Sie erscheinen in der Zeugenreihe einer Urkunde aus dem Jahre 1138/39. Die adelige Familie von Hatzfeld hatte einen befestigten Hof im gleichnamigen Ort an der Eder (Hessen). Im 13. Jahrhundert wird auf einem jenseits des Ederlaufs liegenden Bergvorsprung die Burg errichtet. 1340 gestattet Kaiser Ludwig der Bayer den Herren von Hatzfeld, unter ihrer Burg eine ummauerte Stadt anzulegen. Als gefürchtete Haudegen und Raufbolde machen sich die Herren von Hatzfeld in den Auseinandersetzungen zwischen den hessischen Landgrafen und dem Erzstift Mainz einen Namen. 1570 stirbt die hessische Stammlinie derer von Hatzfeld aus. Die Familie hatte sich jedoch schon in weitere Linien aufgespalten. u.a. die Hatzfeld-Wildenburgs.

Diese Linie kommt 1489 in den Besitz der reichsunmittelbaren Herrschaft Wildenburg. Schloß und Amt Schönstein, heute Sitz der Verwaltung, gelangen erblehensweise 1589 als Kurkölnische Unterherrschaft in das Eigentum der Hatzfeldt-Wildenburg’schen Linie. 1635 wird Melchior von Hatzfeld-Wildenburg, kaiserlicher General, mit der Herrschaft Trachenberg in Schlesien belehnt. 1741 wird diese durch Friedrich den Großen zum Fürstentum erhoben und 1748 die Familie in den Reichsfürstenstand versetzt.

Edmund Gottfried von Hatzfeld-Wildenburg, der vor den französischen Revolutionstruppen ins Rechtsrheinische geflüchtet war, überträgt 1798 seinen gesamten linksrheinischen Besitz seinem einzigen Sohn Karl Eugen, dem Ehemann der Frederike Hubertine von Hersel. Offenbar ist dieser später geisteskrank geworden und 1799 gestorben. Sein Sohn Edmund teilt 1832 dem Landrat in Euskirchen mit, Burg Bodenheim sei immer noch Eigentum seiner Mutter und ihrer Schwester Maria Anna. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahre 1833 erbt der Graf ihren Anteil am Gut und organisiert die umfangreichen Bau- und Reparaturmaßnahmen, da die in französischer Zeit unbewohnte Burg durch Sturm und Regen schwer beschädigt worden war. Nach Auseinandersetzungen mit dem Pächter Wilhelm Heinrich Herhahn überträgt er die Bau- und Pachtangelegenheiten 1840 seiner Rentei auf Schloss Kalkum bei Düsseldorf. Die eingenommenen Pachtbeträge gingen je zur Hälfte an ihn und seine Tante, „das Fräulein von Hersel“. Am 28. Juni 1845 verkaufen Graf Edmund und seine Tante Burg Bodenheim an den Herzog von Arenberg.

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von Arenberg (19. /20.Jh.)

Die Arenberger, Edelherren und damit Angehörige des Hochadels, waren im 12. und 13. Jahrhundert Burggrafen zu Köln und nannten sich nach ihrem Stammsitz Aremberg. Sie gehören zu den erfolgreichsten und wohlhabendsten Dynastengeschlechtern der Eifel und haben sich in ihren Stammlanden vor allem durch eine gute und fürsorgliche Herrschaftsausübung einen Namen gemacht, der in der Bevölkerung noch im 19. Jahrhundert in bester Erinnerung war. Besonders durch die Eisengewinnung und -verarbeitung im Ahrgebiet waren sie zu erheblichem Reichtum gelangt. Durch ihre kluge Heiratspolitik sowie ihre politischen und militärischen Tätigkeiten in ganz Europa steigen sie 1549 zu Reichsgrafen, 1576 zu Fürsten und schließlich 1644 zu Herzögen auf, die vorzugsweise im heutigen belgischen Raum (Enghien) residieren.

Die Familie Arenberg hat Bodenheim nie bewohnt, sondern über drei Generationen an die Familie Thelen verpachtet. Mit den Schlössern in Kommern und Schleiden besaßen die Arenberger auch bereits zwei bedeutende Adelssitze im heutigen Kreis Euskirchen. Prosper-Ludwig von Arenberg erweist sich Mitte des 19. Jahrhunderts zudem als wahrer „Burgensammler“: bevor er 1845 Burg Bodenheim kauft, hatte er schon 1842 Burg Bollheim und 1843 Burg Veynau erworben. 1861 erbt sein Sohn Herzog Engelbert zu Brüssel Burg Bodenheim, und dessen Sohn Engelbert August verkauft sie 1930 an die Pächterfamilie Kieselstein, in deren Besitz sie sich heute noch befindet.

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