Architektur


Wie kein anderer Herrensitz im Gebiet der heutigen Gemeinde Weilerswist prägt Burg Bodenheim das gleichnamige Ortsbild. Sie hat ihre malerische und exponierte Lage in der Erftaue erhalten und erscheint sehr altertümlich, was in erster Linie mit dem unregelmäßig verwinkelten Aufbau und dem Fehlen gärtnerischer Anlagen zusammenhängt. Darin entspricht Bodenheim mittelalterlich-feudaler Tradition, der zufolge ein adliger Herrensitz frei in der Landschaft zu liegen hatte.

Die Burg zeigt die klare Zweiteilung in die dreiflügelige Wirtschaftsvorburg und das separate Herrenhaus, die auf zwei voneinander unabhängigen Inseln angelegt sind und von einem (inzwischen teilweise zugeschütteten) Zwischengraben getrennt sind. Von der kleineren, aber höheren und stärker befestigten Vorburg kam man ursprünglich nur über eine Brücke auf die Vorburg, die den Zugang zur Hauptburg schützte und den Wirtschaftshof aufnahm. Die zur Hauptburg gewandte Seite ist unbebaut, damit ein in die Vorburg eingedrungener Angreifer keine Deckungsmöglichkeit hatte. Aus demselben Grund ist die Zufahrt in die Vorburg seitlich nahe dem Herrenhaus angelegt, damit sie von diesem aus kontrollierbar war und als gefährdetste Stelle zusätzlich durch die Hauptburg geschützt werden konnte.

Bodenheim zeigt damit die typische im 14. Jahrhundert entstandene, seit dem 16. Jahrhundert zur „Modeform“ gewordene und bis ins 19. Jahrhundert nicht mehr veränderte Grundform einer Wasserburg und hebt sich deutlich von kleineren, einteiligen „Ackerburgen“ wie beispielsweise Klein-Vernich ab, der man schon vom Typ her im Mittelalter die Landtagsfähigkeit nicht zugestehen wollte. Eine möglicherweise aus der Einteiligkeit (Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude als bauliche Einheit auf einer Insel) entstandene Sonderform ist ein alles umfassendes Grabenviereck, dessen eine Ecke durch einen Grabenwinkel abgetrennt wurde auf dem das separate Herrenhaus liegt. Beispiele für diese Form finden sich in Kessenich und Kleinbüllesheim.

Burg Bodenheim war in früherer Zeit mit Erdwällen stark befestigt und besaß einen Außengraben, der die gesamte Burganlage zusätzlich umgab und dabei eine schmale ringförmige Insel zwischen den beiden Grabensystemen stehen ließ. Die Wälle lassen sich heute nur noch erahnen. Der einzige Zugang zur Burg war damals über eine Zugbrücke und durch das Tor möglich. Der in Bodenheim 1589 erbaute Typ des querrechteckigen Torhauses, der bis in den Spätbarock (siehe Schloss Eicks) seine Bedeutung behielt, bot dem Verteidiger mehr Schutz und durch seine Höhe den Geschossen mehr Durchschlagskraft als einfache Mauertore. Zusätzlich besitzt ein Torhaus symbolischen Charakter und betont Status und Macht seines Erbauers sowie die strategische Bedeutung seiner Burg. Das Wappen über dem Eingang verkündet den Besuchern Rang und
Namen der Bewohner.

Das Bodenheimer Torhaus besitzt eine für die Zeit der Erbauung typische rundbogige Durchfahrt in rechteckiger Zugbrückenblende mit Rollenlöchern für die Ketten der Zubrücke sowie regelmäßige Eckquader und kleine Schlüssellochschießscharten für leichte Feuerwaffen. Die größeren Fenster und das Allianzwappen sind erst ein Jahrhundert später hinzugekommen. Wichtigste und malerischste Partie ist jedoch die Hofseite, deren Obergeschoss eine hölzerne Galerie auf den Ankerbalken der Decke vorgekragt ist. Dieser Laufgang, mittelalterlichen Wehrgängen nachempfunden, diente zur besseren Zugänglichkeit der Obergeschosse von außen und ist in Bodenheim konstruktiv mit dem vorgezogenen Dach verbunden. Es dürfte sich dabei um die älteste erhaltene Holzgalerie im Kreis Euskirchen handeln, die allerdings mittlerweile
wegen Baufälligkeit ersetzt werden musste. Im angrenzenden Wirtschaftstrakt befindet sich ein sandsteingerahmtes Rundbogenportal des 16. Jahrhunderts, das ebenfalls nur noch wenige zeitgenössische Parallelen hat.

Das auf einer künstlichen Aufschüttung liegende Herrenhaus war ursprünglich von Wehrmauern umgeben, die längst verschwunden sind; auch die ehemalige hölzerne Zugbrücke wurde 1834 durch eine steinerne Brücke ersetzt. Der Bau selbst ist
unübersichtlich und passt in kein typologisches Korsett; drei ganz verschiedene, nur annähernd parallele Flügel werden von einem über Eck gestellten Turm, einem runden, eingebauten Treppenturm und einem kleinen, erkerartigen Vorbau belebt.

Ein Turm ist seit jeher der Inbegriff herrschaftlicher Architektur und des Wehrbaus zugleich. Andererseits ist er mit geringen Mitteln (Abort und Kamine, Mauersitze und Wandschränke) bewohnbar zu machen. Auch die besonders im späten 15. und im 16. Jahrhundert beliebte Form des über Eck gestellten Vierkanteckturms, wie wir sie in Bodenheim finden, vereinigt die Schutzfunktion – in diesem Falle für die Tore der Vor- und der Hauptburg zugleich – mit der Wohnfunktion. Der anschließende zweigeschossige Backsteinbau ist wohl der älteste Teil der Burg und verfügte ursprünglich nur über zwei große, hohe Räume im Erdgeschoss, die mit deckenhohen Kaminen beheizbar waren. Er ist als einziger über gewölbten Kellern errichtet. Ein Rücksprung der Ostwand über dem Erdgeschoss könnte Hinweis auf ein früheres Fachwerkobergeschoss sein; auch der nördliche Erkervorbau über dem Kellereingang rechnet noch mit einer niedrigeren Geschossteilung und diente sicher – vor Anbau des Eckturmes – zur Beobachtung des Einganges. Der Zugang zu den anderen Ebenen des Gebäudes wird durch einen typischen gotischen Treppenturm an der Ostseite mit steinerner Spindeltreppe ermöglicht. Im Hausinneren nahmen solche Treppen zuviel Platz weg und ließen sich im Ernstfall nicht so gut verteidigen wie in einem engen Turm. Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verliert sich dieser Typ jedoch mit dem Aufkommen der im Haus untergebrachten geradläufigen Podesttreppe ohne Verteidigungs-, dafür aber mit beträchtlichem Repräsentationswert.

Die Rückwand des später errichteten östlichen Zwischentraktes besteht aus Fachwerk mit Backsteinzierfüllung, während die Hoffassade in einem Treppengiebel analog dem des Altbaus gipfelt. Die Giebelfassade täuscht einen tieferen als den bestehenden Bau vor, der aber nie mehr als ein Bindeglied zwischen Altbau und dem Rest der Burg gewesen zu sein scheint, wenn er nicht sogar Torflügel war. Der östliche, weit vorspringende Trakt von 1589 fasst mit dem Eckturm eine Art Vorhof ein und schloss ursprünglich mit einem steilen Satteldach – die Giebelansätze sind im Dachraum noch sichtbar. Dieser Bau hat noch die alte Geschossteilung und einen Keller mit Balkendecken, der wohl erst später angelegt wurde. Das Mansarddach stammt wie die Fenster und die Kölner Decken im Erdgeschoss aus dem 18. Jahrhundert; das segmentbogige Kapellenfenster gehört in die Erbauungszeit.

Die heute offen sichtbare Rückfront des Herrenhauses war früher sicher durch eine Mauer geschützt und vielleicht sogar mit einem weiteren Eckturm verstärkt, so dass sich der Eindruck eines wehrhaften, herrschaftlichen Hauses von durchaus zeitgemäßer Eleganz ergab, von dem bemerkenswert viel originale Substanz bis heute erhalten ist.

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