Baugeschichte

Wenn auch die Ursprünge der Burg im Dunklen liegen, so erhalten wir doch mit der urkundlichen Erwähnung Eigils um das Jahr 950 erste Hinweise auf ein adliges Anwesen in Bodenheim. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um eine Motte handelte. In Bodenheim finden wir die idealtypischen Gegebenheiten für diese frühe Burgform, die seit dem 9. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa verbreitet war: in einer wasserreichen Niederung wird in unmittelbarer Nähe eines hochwasserfreien Ortes (Lommersum) ein künstlicher Hügel aufgeschüttet und mit einer burgartigen Befestigung versehen, deren Gräben mit Hilfe eines Stichgrabens (dem Lommersumer Mühlenbach) an ein nahes Fließgewässer (die Erft) angeschlossen werden.

Um 1350 ist dann im Lehensverzeichnis schon von einem castrum die Rede, was beweist, dass es sich zu dieser Zeit bereits um eine zweiteilige, in Vor- und Hauptburg getrennte Wasserburg handelte, deren Grundriss sich wohl bis heute erhalten hat.

Ältester Teil der Burg ist der Westflügel mit dem Treppenturm, der im Inneren eine steinerne Spindeltreppe birgt. Sein Bau kann ins frühe 15. Jahrhundert datiert werden. Der östlich anschließende schmale Zwischentrakt wurde im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts errichtet. Das dort angebrachte Allianzwappen läßt auf Goswin von Tomberg und seine Frau Maria Schall von Bell als Bauherren schließen. Kurz zuvor hatte Lommersum in einer Fehde zwischen dem Grafen von Nassau-Dillenburg, dem Pfandherrn von Kerpen, und dem Grafen von Geldern durch dessen Truppen Schaden erlitten und war gebrandschatzt worden. Es ist anzunehmen, dass auch Burg Bodenheim davon nicht unberührt blieb und daher Baumaßnahmen nötig waren.

Ab 1573 hatte Lommersum erneut unter Überfällen zu leiden und wurde im Zuge der reformationsbedingten kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Holländern und Spaniern mehrfach gebrandschatzt und zum Teil durch Brand zerstört. Ein Dokument von 1605 berichtet, dass auch Burg Bodenheim „während des Krieges mit allen besiegelten Urkunden und allem Hausrat mehrfach geplündert worden und abgebrannt“ war. Im Zuge des Wiederaufbaus lässt Dietrich von Tomberg 1589 den Osttrakt und das heutige Burgtor errichten, was durch die in Eisenankern angebrachte Jahreszahl und den Schlussstein über dem Eingangstor belegt wird. Er richtet auch eine Hauskapelle ein, in der sich bis in die 1960er Jahre verschiedene Wertgegenstände wie ein in italienischer Art gehaltenes Kreuz, eine Stickerei mit „englischem“ Gruß sowie mittelalterliche Holzplastiken befanden.

1594 ließen Georg von Tomberg und seine Ehefrau Maria von Blankart den Westtrakt verändern und dokumentierten dies durch ihr datiertes Allianzwappen im Zimmer über den Eingang (heute nicht mehr vorhanden). Ihnen verdanken wir wohl die heutige Gestalt des Burghauses, „für das er erhebliche Baukosten aufwandte“ und das in den folgenden Jahrhunderten zumindest äußerlich kaum noch verändert wurde. Auch die Zeit des Dreißigjährigen Krieges überstand Burg Bodenheim offenbar dank der vielfältigen Beziehungen (und finanziellen Opfer) ihres damaligen Besitzers, des kurkölnischen Kämmerers Daniel von Hersel, ohne größeren Schaden. Ob das Mitte des 17. Jahrhunderts am Torhaus angebrachte Allianzwappen des Georg Franz Wilhelm von Hersel und seiner Frau Maria Katharina von Bocholtz den Wiederaufbau des Gebäudes oder lediglich ihre Vermählung und Übernahme des Adelssitzes dokumentieren soll, ist umstritten.

Im 18. Jahrhundert wurden dann wieder kleinere Veränderungen am Osttrakt vorgenommen, aus denen die heutigen Fenster, das Mansarddach sowie die stuckierten Kölner Decken im Erdgeschoss resultieren. Es ist möglich, dass diese Baumaßnahmen wiederum die Folge kriegerischer Überfälle waren, da die Burg 1702 mit 62 Mann Einquartierung belegt wurde und 1709 sogar von der Kerpener Garnison überfallen wurde, um ausstehende Kriegsabgaben einzutreiben.

Aus dem Jahr 1717 stammt das barocke Steinkreuz in der Ortsmitte von Bodenheim, das Maria Katharina von Hersel zur Erinnerung an ihren verstorbenen Mann errichten ließ. Ihr Sohn Ägidius Franz ließ 1754 ebenfalls ein Steinkreuz mit seinem Wappen erbauen, vermutlich zum Andenken an seine verstorbene zweite Ehefrau.

Eine Urkarte von 1812 zeigt, dass Bodenheim eine zweiteilige, in Vor- und Hauptburg getrennte Wasserburg war (wie ja auch schon die Bezeichnung castrum im Lehensverzeichnis von 1350 vermuten ließ) und damit den heute noch existierenden Grundriss aufwies. In französischer Zeit (1794-1815) war das Anwesen jedoch unbewohnt und verfiel bald so sehr, dass Regen und Sturm ihm schwere Schäden zufügten. Daher erwogen die beiden Eigentümerinnen, Frederike Hubertine von Hatzfeld und ihre Schwester Maria Anna von Hersel, um 1815 einen Neubau und ließen sich zu diesem Zweck eine Bauzeichnung anfertigen. Wäre sie verwirklicht worden, hätte Bodenheim ein kleines Schloss im späten Rokokostil erhalten. Da ein solcher Neubau aber wohl wesentlich teurer ausgefallen wäre als eine Restaurierung, entschlossen die Eigentümerinnen sich zur Wiederherstellung des Altbaus.

In den Jahren ab 1817 waren zahlreiche Handwerker dann mit der Ausführung der Arbeiten innen und außen, am Haupthaus und den Nebengebäuden beschäftigt. Der Kostenvoranschlag dafür betrug 97.000 Reichstaler – eine immense Summe wenn man bedenkt, dass der Reinertrag des Anwesens 1843 mit 1.337 Reichstalern, 19 Silbergroschen und 1 Pfennig angegeben wurde.

Die Bauarbeiten zogen sich bis in die 1830er Jahre hin; 1834 wurde die heute noch vorhandene Brücke zum Haupthaus errichtet. Dabei kam es zu unangenehmen Auseinandersetzungen zwischen den Burgherren und dem damaligen Pächter Wilhelm Heinrich Herhahn. Der Pächter musste die Baukosten vorstrecken und konnte sie in Teilbeträgen von seiner Pacht absetzen. Dabei hielt er manche Arbeiten für dringlicher als die gräfliche Familie und überschritt seine Kompetenzen, so dass er Mühe hatte, die ausgelegten Beträge ersetzt zu bekommen. Zwar wurde sein Pachtvertrag nach Ablauf 1839 für weitere 12 Jahre verlängert, allerdings nur unter Anhebung der Pacht von 700 auf 1.000 Taler; außerdem übertrug Graf Edmund 1840 die Bau- und Pachtangelegenheiten, die er bis dahin teils selbst, teils über einen Beauftragten abgewickelt hatte, seiner Rentei auf Schloss Kalkum.

Abbildungen aus dem späteren 19. Jahrhundert zeigen, dass die Burg ihr Äußeres seit dieser Zeit kaum noch verändert hat. Auf einer um 1880 angefertigten Lithographie ist allerdings östlich vom Haupthaus ein Fachwerkgebäude zu sehen, das die Bauzeichnung von 1820 als Brau- und Backhaus ausweist und das später abgerissen wurde. Auch sind auf dieser Abbildung deutlich die Risse im Südgiebel zu erkennen, der kurz darauf wegen Baufälligkeit erneuert werden musste.

Die Wirtschaftsgebäude der Vorburg stammen fast ausschließlich aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Lediglich die Westfront, insbesondere die Außenmauer, enthält noch erhebliche Teile aus dem 16. Jahrhundert, in dem ja auch das Torhaus größtenteils erbaut wurde.

In den 1980er Jahren begann mit der Instandsetzung der Dächer die bisher letzte Bauphase der Burg, belegt durch die Wetterfahne auf dem Turm mit der Jahreszahl 1986. Anschließend wurde das Äußere des Herrenhauses in vier Abschnitten durchrenoviert und mit einem gelblichen Putz versehen. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde dann das Innere saniert und es wurden insgesamt drei Wohnungen eingerichtet, je eine im West-, Mittel- und Osttrakt. Insbesondere im Ostflügel waren dafür – teilweise aus statischen Gründen – Änderungen der Raumaufteilung nötig; so mussten z.B. Stützen für die Kölner Decke eingezogen werden, die dadurch erhalten werden konnte. Die ehemalige Kapelle hingegen ist nicht mehr erhalten.

Der Vergleich mit dem Aussehen der Burg auf einer Postkarte von 1911 zeigt sehr gut die Veränderungen an der Fassade und auch der Zufahrt des Burghauses. Im Innenhof wurde die Pflasterung erneuert, wozu weitgehend die vorhandenen Steine benutzt wurden, die man den Zufahrtswegen entsprechend neu verlegte. Am Torhaus waren der Treppenaufgang und die Galerie baufällig und mussten ersetzt werden, ebenso wie die Fenster. Auch in den Wirtschaftsgebäuden wurden die einige Jahre zuvor eingesetzten Betonfenster wieder entfernt und durch die alten Eisenfenster, zum Teil mit Rundbögen, wieder eingebaut. Ebenso wurden noch am Mauerwerk vorhandene Kriegsschäden beseitigt und die Fugen an den Gemäuern nach und nach erneuert.

Die Wassergräben sind seit einigen Jahren trocken und von einer östlichen Zufahrt unterbrochen, deren Mauern und Pfosten ebenfalls neueren Datums sind.

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