Exkurs: Die Skandale der Hatzfelds

Der verrückte Bigamist

Mit dem ersten Hatzfeld im Besitz Burg Bodenheims beginnt auch die Reihe von gesellschaftlichen Skandalen, die diese Familie über Generationen hinweg verfolgen sollte. Von Graf Karl Eugen wird überliefert, dass er sich von der Freiin von Hersel getrennt und eine gewisse Karoline Elisabeth Held geheiratet hatte. Die gräfliche Familie erkannte diese Verbindung jedoch nicht an und klagte dagegen beim Reichskammergericht und vor kirchlichen Instanzen. Über das Ergebnis ist nichts bekannt, jedoch änderten Karl Eugen und Maria Frederike am 25. August 1799 ihren Ehevertrag und setzten die Freiin als Vormund gemeinsamer Kinder unter Mitaufsicht ihrer Schwiegermutter ein. Auffallend ist, dass Karl Eugen dabei wegen Geistesschwäche von einem Vormund vertreten wurde und zwei Wochen später verstarb.

Die rote Gräfin

Die Skandale setzten sich in der nächsten Generation fort. Sophie Josepha Gräfin von Hatzfeld-Trachenberg (1805-1881) war praktisch gezwungen worden, ihren Vetter Edmund von Hatzfeldt-Wildenburg, den Sohn Karl Eugens und Marie Frederikes, zu heiraten. Mehr als 20 Jahre war sie dessen Unmenschlichkeiten und Grausamkeiten ausgesetzt. 1846 schließlich freundete sie sich mit einem jüdischen (!) Sozialisten (!!) und Anwalt an: mit Ferdinand Lassalle, dem Begründer der deutschen Arbeiterbewegung. Lassalle führte vor sechs Gerichten für sie einen Scheidungsprozeß sowie vermögensrechtliche Auseinandersetzungen. Nach der Scheidung im Jahr 1851 gelang mit der Rückgabe der Allode (Familiengut) an Gräfin Sophie 1854 ein teilweiser Erfolg. Die dankbare „rote Gräfin“ setzte Lassalle eine Rente von 7.000 Talern pro Jahr aus, die ihn finanziell unabhängig machte. Sie arbeitete außerdem eng mit ihm im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) zusammen – angeblich sogar sehr eng: manche Quellen sagen, sie sei seine Geliebte gewesen. 1867 gründete sie eine Abspaltung des ADAV, den „Lassalleschen Dt. Arbeiterverein“ (LADAV), eine streng zentralisierte Kaderorganisation. Nach der Wiedervereinigung der beiden Organisationen 1869 zog sich die Gräfin aus der Politik zurück.

Der bankrotte Diplomat

Ihr Sohn Paul (1831-1901) setzte die Reihe privater Skandale fort und zeichnete sich vor allem durch seine immensen Schulden sowie durch eheliche Enttäuschungen aus, die ihm seine Heirat mit einer 17jährigen Amerikanerin namens Helene Moulton  (von der er sich später wieder scheiden ließ) einbrachten. Aufgrund seiner ausgezeichneten Verbindungen zu Bismarck machte er dennoch Karriere als außenpolitischer Berater des Reichskanzlers sowie Botschafter in Madrid und Konstantinopel. 1882 wurde er Außen-Staatssekretär und krönte seine Karriere schließlich 1885 mit dem damals wichtigsten diplomatischen Amt in Deutschland, dem Botschafterposten in London. Sein nicht unbeträchtliches Gehalt wurde allerdings zum Teil einbehalten, um damit seine Gläubiger zu bezahlen….

Der Albtraum des eisernen Kanzlers

Ein anderes Familienmitglied war beim Eisernen Kanzler weitaus weniger gut gelitten als der erfolgreiche Diplomat, in Liebesdingen allerdings ähnlich glücklos: die schöne Elisabeth von Hatzfeld-Trachenberg  (1839-1914). Verheiratet mit dem Fürsten Carl Ludwig zu Carolath-Beuthen zog sie den Zorn Bismarcks auf sich, weil sie die Leidenschaft seines Sohnes Herbert geweckt hatte. Sie ließ sich 1881 in der Überzeugung scheiden, dass Bismarck junior – damals der begehrteste Junggeselle des Deutschen Reiches – sie heiraten würde; auch die Zeitungen berichteten schon von der bevorstehenden Hochzeit. Der Kanzler war außer sich, versuchte seinen Sohn unter Schluchzen und Tränen von der Verbindung abzuhalten und drohte schließlich, entweder sich umzubringen oder ihn zu enterben. Hin- und hergerissen zwischen Vater und Geliebter stand Herbert vor der schwierigen Wahl: privates Unglück oder väterliche Ungnade in Armut. Nachdem er eine Zeit lang unentschlossen und entscheidungsunfähig die Dinge hatte treiben lassen, beendete Elisabeth schließlich die Beziehung von sich aus. Ihr war klar geworden, dass Herbert sie niemals heiraten würde.
Ungeklärt ist, warum Bismarck diese „Mesalliance“ so hintertrieb: wollte er einfach nur keine geschiedene Frau in der Familie haben, oder störte ihn vielmehr, dass Elisabeths Schwestern mit zwei seiner stärksten politischen Gegner verheiratet waren?

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